Marcus Graf - Internetdienstleistungen | Webdesign

Archiv für die Kategorie „hotel“

icon: post-header über sonderbarkeiten in hotels der welt.

über sonderbarkeiten in hotels der welt. heute: kunst.

15. september 2011 geschrieben von max von lingen

hotels haben viele wände. da muss irgendwas dran denkt sich da so manch ein hoteldirektor. und wenn es nicht der schicke flatscreen im zimmer ist, so ist es „kunst“. diese nun ist ein weiter begriff. ich hatte früher immer gedacht, sie ist hotelkategorie abhängig. aber das stimmt nicht. zwar finden sich handgemalte alpenländisch romantische motive in nahezu jedem tiroler hotel, dennoch scheinen auch manche hotels fern der alpen sich gerne mit ihnen zu schmücken. bis hin zur nordsee! auch in japan erblickte ich einst den großglockner im morgendlichen licht der tokioter innenstadt. freilich nicht handgemalt, sondern als druck und hinter glas und irgendwie leichter manga-optik.

mir sind hotels am liebsten, die eine kunst wählen die zu ihnen passt. das klingt zwar berechnend, andererseits gibt es sonst schon wundersame erlebnisse. vor einiger zeit war ich in der weißen stadt am meer, in heiligendamm. dort in einem nicht eben wenig besternten haus. viel wert auf die schönen dinge im leben legt man dort, so das versprechen. und so auch die kunst. nun ja, so die idee dahinter. etwas zu bunt und zu aufdringlich für mein gefühl. und mit hohem deja-vu faktor: ein und dasselbe bild fand sich bei mir auf dem zimmer, im speisesaal und auf dem weg zur toilette. nicht, dass ich angespitzten wert auf unbedingte vielfalt in hotellierer kunst lege, wo ich in einem hotel doch nicht einmal mit einem künstlerischen highlight rechne. ab einer gewissen kategorie und einem klar kommunizierten anspruch jedoch erwarte ich wenigstens varietät statt vervielfältigung.

ganz anders! es war in marburg! die hausfamilie der hotellerie hatte dort die zur schau gestellten kunstobjekte selbst angefertigt. offensichtlich mit einem gewissen hang zur naiven kunst, dennoch immerhin mit liebe und motiven aus der region. allemal angenehmer als lieblos zusammengekaufte drucke aus dem hotel-dekorationshandel (doch, den gibt es wirklich).

aber es bleibt die frage: muss kunst ins hotel passen? ich denke schon, sie sollte das ambiente heben, statt dem betrachter fragen aufzugeben. eine allgemeine lösung wäre dann natürlich abstrakte kunst, aber ehrlich gesagt sind mir in tiroler hotels die alpen lieber, wenn nicht … ja wenn nicht das entsprechende hotel insgesamt eine moderne struktur hat. das findet sich ja nunmehr allüberall, nennt sich design-hotel und versucht gar sich selbst als gesamtkunstwerk zu etablieren. quasi ein hotel mit signatur des gestaltenden künstlers. das kann schön sein, aber auf dauer ist es sehr vorhersehbar und auch langweilig. denn irgendwie ist die grundidee meist dieselbe und nur wenige highlights krönen das gesamtkunstwerkliche und oft eher künstliche als künstlerische ambiente.

bleibt noch eine rare kategorie an hotels mit wechselnden galerieausstellungen. mein persönlicher favorit, zumal wenn man das hotel öfters besucht. man findet dort eine neue idee, kann sich während man zwischen frühstücksraum und foyer noch etwas die zeit vertrödeln will, weil der versprochene termin sich um eine halbe stunde verspätet, mit neuen gedanken beschäftigen. freilich gibt es auch hier „passende“ und „unpassende“ werke. mitunter begibt man sich auf die suche nach offensichtlich komplex vertrackten zusammenhängen. dennoch: „chapeau!“, es ist eine aktive beschäftigung, die sich meist auch in anderen details des hotels zeigt: „jemand macht sich gedanken!“ und da sind wir bei dem wirklich spannenden punkt von kunst in hotels.

es gibt hotels, da achtet man auf die persönliche note, hat einen anspruch und möchte den zeigen, und der zeigt sich dann auch in der kunst – ob sie dem gast nun gefällt oder nicht, wohlfällig spürbar ist der gedanke dahinter allemal. das sind dann auch die hotels die man im smartphone mit einem „favoriten-sternchen“ markiert. dann gibt es die kategorie der hotels die sich eher zwanghaft mit dem haus und dem gast beschäftigen oder unter der knute des übergestülpten verkaufskonzeptes leben. hier zeigen sich lieblos an die wände gepoppte doubletten althergebrachter „ambiente-motive“, so nennt sie tatsächlich der hotel ausstattende fachmund.

ich jedenfalls freue mich auf eins meiner hotels mit wechselnden ausstellungen und dem guten gefühl einer persönlichen nuance und spaß daran den gast jedes mal mit neuem zu überraschen. dann ist es mir auch egal ob ich vor alpenländischem idyll, selbstgemaltem oder galleriequalitativer kunst stehe: das hotel als ganzes hat mich dann gewonnen, weil es gerne hotel ist, nicht kunst.

Veröffentlicht in Max von Lingen Kolumne